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Cloud-Kosten außer Kontrolle – Teil 1

Warum 28 % Ihres Cloud-Budgets verschwendet sind – und was dagegen hilft

Die Cloud sollte Kosten senken. In der Realität zahlen Unternehmen durchschnittlich 28 % ihrer Cloud-Ausgaben für Ressourcen, die sie bereitgestellt, aber nie wirklich genutzt haben. Das ist kein technisches Versagen – es ist ein strukturelles Problem, das sich mit den richtigen Maßnahmen gezielt adressieren lässt.

Warum die Rechnung nicht aufgeht

Nach dem Flexera State of the Cloud Report 2024 haben 59 % der befragten Unternehmen im vergangenen Jahr mehr für Cloud-Dienste ausgegeben als geplant. Gartner prognostiziert, dass mehr als 80 % der Unternehmen bis 2025 einen signifikanten Anteil ihrer Cloud-Investitionen ungenutzt lassen werden, vor allem wegen mangelnder Preistransparenz.
Der eigentliche Grund liegt nicht in der Technologie selbst, sondern in einem grundlegenden Systembruch: Cloud Computing hat die Regeln der IT-Kostensteuerung komplett verändert. Viele Organisationen haben diese Konsequenz unterschätzt.

Der strukturelle Kern des Problems

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In klassischen IT-Umgebungen waren Infrastrukturkosten kapitalintensive Einmalinvestitionen mit langen Abschreibungszeiträumen und klaren Verantwortlichkeiten. Das Budget war disziplinierend, weil die Konsequenz einer Entscheidung sofort spürbar war: Man kaufte einen Server, und der Betrag fehlte im Budget.
In der Cloud fallen Kosten kontinuierlich, variabel und dezentral an. Die Entscheidung ist heute, die Rechnung kommt in vier Wochen. Inzwischen ist die Architektur festgelegt und nur noch schwer zu ändern. Klassische Budgetierungszyklen sind für dieses Modell schlicht nicht gemacht.
Wer eine Cloud-Ressource bereitstellt, in der Regel ein Entwickler oder ein Betriebsteam, trägt finanziell keine unmittelbare Verantwortung. Das Budget wird zentral verwaltet, die Rechnung kommt am Monats- oder Jahresende, und welche technische Entscheidung zu welchem finanziellen Ergebnis geführt hat, ist selten offensichtlich. Das ist kein Managementversagen, es ist eine strukturelle Konsequenz des Modells.

Dezentrale Bereitstellung ohne Governance

In Organisationen mit mehreren Teams über verschiedene Cloud-Plattformen hinweg entsteht schnell eine Situation, in der niemand mehr den vollständigen Überblick hat: Welche Ressourcen gibt es? Wem gehören sie? Werden sie noch gebraucht? Ohne systematisches Tagging und zentrale Inventarisierung kann ein erheblicher Anteil aller Ressourcen keiner Kostenstelle, keinem Projekt und keinem Team zugeordnet werden.

Die vier größten Kostentreiber im Detail

1. Brachliegende Ressourcen in Nicht-Produktionsumgebungen

Dies ist die häufigste und oft übersehene Form der Verschwendung. Test-, Entwicklungs- und Staging-Umgebungen laufen typischerweise während der Arbeitszeiten, also rund 30 % der 168 Stunden einer Woche. Die restlichen 70 % verursachen Kosten, ohne dass jemand aktiv arbeitet.
Die technische Lösung ist bekannt: Instance Scheduling. Alle großen Cloud-Anbieter bieten entsprechende Mechanismen. In der Praxis scheitert die Umsetzung jedoch an drei Faktoren: fehlendes zentrales Inventar (man weiß nicht, was Nicht-Produktion ist), organisatorischer Widerstand von Entwicklungsteams und mangelndes Kostenbewusstsein auf Teamebene.

2. Overprovisioning und zu große Instanzen

Das Prinzip, auf die maximale Last zu dimensionieren, stammt aus der Zeit physischer Server und war dort rational. In der Cloud ist es teuer. Viele Teams übernehmen Instanzgrößen unreflektiert aus alten Architekturen oder dimensionieren großzügig „auf Vorrat“. Das Ergebnis: dauerhaft überprovisionierte Instanzen mit CPU-Auslastungen unter 10 %.
Das Gegenmittel ist Rightsizing: eine mehrdimensionale Analyse auf Basis von CPU- und Memory-Auslastung über mindestens 14 Tage, ergänzt um Netzwerkdurchsatz und Disk-I/O. Zusätzlich bieten aktuelle Instanzgenerationen oft mehr Rechenleistung bei gleichen oder niedrigeren Kosten.

3. Verwaiste Ressourcen

Ungemountete Storage-Volumes, ungenutzte IP-Adressen, veraltete Snapshots und vergessene Load Balancer – diese Ressourcen verursachen keine Alerts, beeinträchtigen keinen Service und erscheinen in keinem Monitoring-Dashboard. Sie kosten trotzdem. Ein 500-GB-EBS-Volume in AWS (eu-central-1) kostet beispielsweise etwa 90 EUR/Monat, unabhängig davon, ob es angehängt ist oder nicht.
Die Lösung liegt in automatisierten Scans zur Identifikation verwaister Ressourcen sowie in definierten Prozessen zu deren systematischer Bereinigung. Ohne Inventar ist das nicht möglich – was die zentrale Bedeutung einer konsistenten Tagging-Strategie erneut unterstreicht.

4. Suboptimale Zahlungsstrukturen

Ungenutzte Commitments und suboptimale Lizenznutzung sind weniger sichtbar, aber erheblich. Wer Reserved Instances oder Savings Plans kauft und die Kapazität nicht vollständig nutzt, zahlt trotzdem. Umgekehrt entgeht großen Workloads ohne jede Commitment-Strategie der erhebliche Rabatt gegenüber On-Demand-Preisen.
Lizenzoptimierung bietet ein weiteres, oft ungenutztes Potenzial: Der Azure Hybrid Benefit ermöglicht es, bestehende On-Premises-Windows-Lizenzen auf Azure zu übertragen und dort bis zu 85 % günstiger zu nutzen. Oracle bietet mit dem BYOL-Programm eine vergleichbare Möglichkeit in der OCI.

Was jetzt zu tun ist: Der erste Schritt

Der Einstieg in systematisches Cloud Cost Management muss nicht komplex sein. Drei Maßnahmen bringen sofort Ergebnisse:

  • Erstes gemeinsames Cost Review mit Finance, IT und Business durchführen – nicht um Schuld zuzuweisen, sondern um das Problem zu verstehen
  • Instance Scheduling für Nicht-Produktionsumgebungen aktivieren – das spart sofort und ist technisch unkomplex

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